
Das Burn-out-Syndrom im Wechsel der Jahreszeiten
Wenn die Nächte länger und die Tage kürzer werden, beginnt für viele Menschen eine schwierige Zeit, in der sie ganz besonders auf sich und ihre Bedürfnisse achten müssen. Geschieht dieses nicht in ausreichendem Maße und wird der Alltag zunehmend von Stress bestimmt, kann es besonders leicht zu einer Krise kommen. Diese permanente empfundene Überforderung kann letztlich zu einem Burnout- Syndrom führen.
Das zurückliegende Jahr war für Sabine Krüger nicht leicht. Vier Jahre lang hatte die 38-jährige sich ausschließlich um ihre beiden Töchter gekümmert. Der Wiedereinstieg in den Beruf war für die Bürokauffrau ein Kraftakt. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme und in der Partnerschaft kriselte es. Der Zusammenbruch kam kurz nach Weihnachten. „Das Weihnachtsfest und die Gedanken an das neue Jahr und wie das alles weitergehen soll, haben mir den Rest gegeben“, sagt Sabine Krüger. „Ich hatte einfach keine Kraft mehr und keine Idee, was ich hätte ändern können.“
Weihnachten und Neujahr sind für viele Menschen ein Anlass, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, in die Zukunft zu schauen und mit guten Vorsätzen ins neue Jahr zu starten. Wenn die seelischen und körperlichen Belastungen aber zu groß werden, kann der unmoderierte Blick auf das eigene Leben die Hoffnungslosigkeit verstärken. Hinzu kommt der Druck, dass die Weihnachtszeit in der Vorstellung der meisten Menschen besonders harmonisch verlaufen sollte.
Diese Mixtur aus körperlicher und seelischer Erschöpfung und dem eigenen Anspruch an eine schöne und glückliche Weihnachtszeit für die ganze Familie sind geradezu ideale Voraussetzungen für das so genannte Burn-out-Syndrom.
Mit dem Begriff Burn-out-Syndrom wird ein Zustand von Erschöpfung und Motivationsverlust bezeichnet, der sich sowohl auf die körperliche als auch auf die emotionale und geistige Ebene bezieht. Auslöser ist häufig eine anhaltende Stressbelastung, die nicht mehr kompensiert oder ausgeglichen werden kann. Die Ursachen für die fehlende Kompensationsmöglichkeit können in der Persönlichkeitsstruktur begründet sein, wie beispielsweise leistungsorientiertes Denken und eine fehlende Wahrnehmung der eigenen Grenzen.
Die Symptome reichen von Warnsignalen in der Anfangsphase über Engagement- und Energieverlust bis hin zum Abbau von emotionalen und mentalen Ressourcen und enden ggf. in einem psychosomatischen Krankheitsbild oder auch in einem Bild der Verzweiflung bis hin zu Selbstmordgedanken.
Bei der Therapie des Burn-out- Syndroms geht es vor allem darum, möglichst in einem frühen Stadium der weiteren krankhaften Entwicklung entgegenzuwirken. Es gilt, Stressvermeidungs- und Bewältigungsstrategien einzusetzen, ein optimales Zeit- Management einzuhalten und immer wieder Distanzierungsmöglichkeiten im „Stressalltag“ wahrzunehmen.
Gerade in der Winterzeit, der dunklen Jahreszeit, verstärkt durch die Emotionalisierung auf Grund des Weihnachtsfestes und der Jahreswende, kann sich der Prozess des „Ausbrennens“ rascher entwickeln und in ein bedrohliches Stadium geraten, aus dem letztlich nur eine umfassende Entlastung vom Alltag und professionelle Hilfe herausführen können.
Die Ostseeklinik Poel bietet daher einen speziellen Weihnachtskurgang an. Väter und Mütter, die sich in einer besonders belasteten Situation befinden, sollen die Möglichkeit haben, die Weihnachtszeit in einer emotional stabilisierenden Umgebung zu verbringen, um mit neuen Zielen und dem Handwerkszeug, den Alltag gesünder und entspannter zu gestalten, ins neue Jahr zu starten.


